L’Isle Jourdain (Frankreich), den 18. Dezember 2014

 

Liebe Freunde,

 

Wir sind seit einigen Tagen von einem sechswöchigen Aufenthalt in Indien zurückgekehrt. Die meiste Zeit von diesen sechs Wochen haben wir in Meghraj / einem kleinen Ort in Sabarkantha/Gujarat verbracht. Ausnahmsweise haben wir nicht im Priesterhaus gewohnt sondern bei den Schwestern, die das Internat der Mädchen leiten. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt. Schon beim Empfang kamen alle Mädchen uns entgegen und haben schöne Begrüßungslieder gesungen. Der Gast ist von Gott gesandt. Natürlich gab es die traditionelle Blumenkranz um den Hals.

Im November ist das Wetter in Gujarat wunderbar: kühle Nächte und sonnige warme Tage. Die Stadt Meghraj aber wächst und wächst. Vor einiger Zeit waren Schule und Internate ziemlich außerhalb des Ortes. Jetzt gibt es Wohnungen und Geschäfte dicht nebenan. Und mehr und mehr zu kaufen gibt es in den Läden: das Notwendige wie das Überflüssige.

In den Internaten beginnt der Tag früh, denn die Kinder müssen um 5 Uhr 30 aufstehen. Nach Gebet und Frühstück gibt es zwei Stunden Lernzeit bevor die Schule beginnt. Mathematik und Englisch sind wichtige Fächer. Dafür gibt es für die älteren Kinder einen Hilfslehrer im Internat. Wenn die Schule vorbei ist, ist Spielzeit und Abendessen. Aber auch danach müssen die Kinder noch einmal lernen, bevor sie ins Bett können.

Um die Kinder die Ihr betreut besser zu kennen, haben wir einige Eltern besucht. Das  Foto zeigt eines der Häuser, egal von wem, denn sie sehen alle mehr oder minder gleich aus. Die meisten Eltern besitzen ein kleines Feld und, in diesem Falle, steht das Haus mitten auf ihrem Grundstück. Also liegen die Häuser ziemlich verstreut.

Zwischenablage01Zwischenablage02

Das Haus ist aus gestampften Lehm gebaut und mit einfachen Ziegeln gedeckt. Der Eingang nimmt die ganze Hauslänge ein, so auch das hintere Zimmer. Man sieht den Eingang zu diesem Zimmer links. Es hat keine Fenster, bleibt also kühl im Sommer. Bis auf der Monsunzeit, spielt sich das Leben unter der Veranda ab. Man schläft auf leichten Betten wovon man eins sieht. Das Hinterzimmer dient als Küche und auch dazu, die wenigen Lebensmittel zu speichern. In diesem Raum machen die Kinder ihre Hausaufgaben, wenn sie zu Hause sind. Manchmal, falls es Strom gibt, gibt es eine schwache Birne. Sicher ist es besser die Hausaufgaben im Internat zu machen!

Töpfe und Geschirr hängen sauber an der Wand im Hinterzimmer. Weizen oder Korn wird in einem großen Silo aus Metall (unten links) oder – traditionell – in einer Tonne aufbewahrt, die aus Lehm hergestellt wird, der auf ein Bambusgerüst gestrichen ist.

In diesen Tonnen hält sich das Getreide gut. Es ist dort vor Nagetieren sicher.  Man nimmt davon nach und nach und lässt mahlen um die täglichen „rotis“ zu backen.

Zwischenablage03Zwischenablage04

Das Leben spielt sich auf dem Boden ab. Man kocht auch auf dem Boden. Einen Schornstein gibt es nicht, aber der Rauch vertreibt wenigstens die Mücken! Für die Gäste die nicht auf der Erde sitzen können gibt es meist zwei oder drei Stühle aus Plastik. Das ist Luxus!

Vor der Veranda gibt es noch einen von einer Hecke eingegrenzten Lebensraum. Hier wird das Vieh angebunden, Wäsche gewaschen, usw.:

Zwischenablage05Zwischenablage06

Wir haben nicht allzu viele Besuche gemacht. Die Eltern fühlten sich gezwungen, ein Huhn zu schlachten, um einen sehr guten Curry (scharf gewürzte Soße mit Zwiebeln, Knoblauch, Chili, und ausnahmsweise mit Fleisch), den Gästen anzubieten, der mit heißen „rotis“ serviert wird. Als Nachtisch kauft man dann teure Äpfel statt die billigeren – und eigentlich besseren – Bananen. (Äpfel werden in den Vorbergen des weit entfernten Himalaja angepflanzt, Bananen können auf dem Grundstück wachsen.) Und weil wir es nicht mehr schafften, auf dem Boden zu essen musste man die Matratze vom Bett weglegen um daraus einen Tisch zu machen. Gesessen haben wir auf den Plastikstühlen. Es ist eben der Stolz der Armen, den Gästen alles zu geben – wie das Scherflein der Witwe im Markus Evangelium.

Ich habe die Kinder die von Ihnen betreut werden, alle getroffen und fotografiert, aber die einzelnen Berichte sende ich erst im Januar.

Die Arbeit im Feld am Anfang des Winters war überall im vollen Gange. Die Kornernte im Sommer war nicht sehr gut. Das Regen kam viel zu spät und ein Teil der Maiskolben ist vertrocknet. Also pflanzen alle  Adivasi, die einen Brunnen im Feld haben, Winterweizen. Manchmal gibt es dazu etwas Kichererbsen. Die ganze Familie arbeitete auf dem Feld, um zu säen und  Unkraut zu jäten. Die Großbauern besitzen schöne große Felder mit Baumwolle, Rizinus und Kurkuma dessen Wurzel ein teures Gewürz ergibt.

Ich beende mit einem Wunsch:

EIN SCHÖNES GESEGNETES WEIHNACHTSFEST

Auf Gujarati sieht das so aus:

Zwischenablage07

Moiz Rasiwala